Weinreben pflanzen im Überblick

Es gibt verschiedene Gründe neue Weinreben zu pflanzen. Einerseits, weil ein Weinberg neu bestellt wird, andererseits weil einzelne Stöcke in Ertragsanlagen durch Maschinen beschädigt oder von Krankheiten (insbesondere der Pilzkrankheit Esca, die das Holz angreift) befallen sind. In beiden Fällen gibt es einige Dinge zu beachten.

Wann werden neue Weinreben gepflanzt?

In der Regel werden neue Reben im April gepflanzt. Das ist einerseits vor der Hauptarbeitszeit im Weinberg, also aus arbeitstechnischen Gründen. Andererseits ist zu diesem Zeitpunkt die größte Frostgefahr vorbei. Zwar treibt die Weinrebe nicht direkt nach dem Setzen aus, aber wenn sie treibt, können die Triebe vom Frost beschädigt werden.

Wie wird gepflanzt?

Hier kommt es darauf an, ob ein komplett neuer Weinberg angelegt wird, oder wir nur einzelne Stöcke in einer bestehenden Anlage austauschen.

Wenn es um einen ganzen Weinberg oder auch ganze Reihen in bestehenden Weinbergen geht, werden wir von Bodenbearbeitungsmaschinen unterstützt. Wie im eigenen Garten zu Hause, muss natürlich auch hier erstmal ein entsprechendes Loch geschaffen werden. Dieses schafft die Maschine mit einer Art Messer, dass eine Rille in den Boden schneidet. Danach wird die Rebe mit einem Rad in den Spalt gesetzt, sodass die Veredelungsstelle oberirdisch liegt. Zu guter Letzt schiebt die Maschine die aufgeworfene Erde wieder in den Spalt um die Rebe herum.

Wenn wir nur einzelne Stöcke ersetzen, dann tun wir dies natürlich von Hand. Dabei folgen wir dem gleichen Prinzip.

Aus welchen Gründen wird nachgepflanzt und warum nicht?

Wird ein Weinberg 25 Jahre bewirtschaftet, hat er sich im Schnitt amortisiert. Dann erreicht er auch seinen Ertragspeak und die Quantität sinkt. Im gleichen Moment steigt aber auch die Qualität signifikant, da die Weinrebe dann tiefer wurzelt und von aktuellen Wetterbedingungen unabhängiger ist, aber vor allem, da sie auf natürliche Weise die Menge nach unten reguliert. Weniger Menge bedeutet dann auch mehr konzentrierte Aromastoffe, Zucker etc. in den Trauben.

In solchen Fällen gilt es, die Balance zu finden. Wir würden nie einen so alten Weinberg roden, da unsere Philosophie qualitätsorientiert ist. Andererseits bringt es auch nichts, einen 50 Jahre alten Weinberg mit nur noch wenigen Stöcken zu haben. Daher pflanzen wir stetig nach, um die Weinberge gesund und qualitätsorientiert zu halten.

Weinreben pflanzen
Weinrebe pflanzen

Welche Tricks gibt es?

Nicht immer muss eine neue Rebe gepflanzt werden, wenn sie krank ist oder Leitbahnschäden zB durch den Rebschnitt hat. So bildet Silvaner als Rebsorte beispielsweise viele Wasserschosse; das sind Triebe, die unten aus dem Rebstock herauskommen. Mit ihnen kann man den alten Stock verjüngen, indem man einen Wasserschoss zwei bis drei Jahre hochzieht, bis er stabil und kräftig ist und dann den alten Stock abschneidet. So erhält man einen neuen Stamm mit altem Wurzelgeflecht. Der neue Stamm hat keine Leitbahnschäden, profitiert aber von den Vorteilen der tiefen und unabhängigen Wurzeln.  

Was beim Silvaner gut und recht unkompliziert funktioniert, klappt zB beim Portugieser eher schlecht, da er kaum Wasserschosse bildet. Das führt dazu, dass manche Rebsorten eher nachgepflanzt werden müssen als andere.

Was passiert nach dem Pflanzen?

Wenn die nachgepflanzten Reben austreiben, setzt man sie alle auf ein Level und bindet sie am Pflanzstab an. Die Trauben werden im ersten Jahr abgeschnitten, damit die Reben nicht überfordert werden. Im zweiten oder auch dritten Jahr wird dann die erste Ernte eingebracht und gibt den sogenannten Jungfernwein.

 

Interessant: Oberirdisches und unterirdisches Wachstum funktioniert spiegelgleich – das heißt, die Rebe wächst unten so viel wie oben. Sprich, wenn sie überirdisch schön und gesund gewachsen ist, kann man davon ausgehen, dass auch die Wurzeln gut ausgetrieben haben.